Familie Otto Modersohn, Allgäu 1935
Louise Modersohn-Breling
1883 München - 1950 Hindelang

Familie: Louise Modersohn-Brelings Vater Heinrich Christoph Gottlieb Breling, geb. 14. Dezember 1849 in Burgdorf bei Hannover, ev., ab 1854 aufgewachsen in Fischerhude, war königlicher Professor an der Königlichen Academie der bildenden Künste zu München, Maler am Hofe Ludwigs II., wohnhaft in Schleißheim bei München. Er heiratete am 26. Oktober 1875 Amalie Mayer. 1892 Umzug nach Hannover; 1908 Bau des Wohnhauses der Familie in Fischerhude.

Ihre Mutter, Amalie Breling, geb. Mayer, geb. am 1. Oktober 1856 in Mainburg, kath, führte den kinderreichen Haushalt. Louise Modersohn-Breling hatte 5 Schwestern. Amalie Breling starb am 27. März 1931.

Louise Breling, zweitälteste Tochter, verbringt ihre Kindheit in München-Schleißheim und erhält neben der Schule eine Musikausbildung. Ab 1892 besucht die Familie in den Sommermonaten Fischerhude bei Bremen, wo der Vater aufgewachsen war. Erste Bekanntschaft der Familie Breling mit Otto Modersohn im Jahr 1896. Louise ist musikalisch begabt und erhält Gesangsunterricht. Ab 1904 bekommt Louise Breling Engagements als Opern- und Oratoriumsängerin in Hagen, Hannover und Berlin.

Otto Modersohn zieht 1908 nach Fischerhude und lernt sie beim Richtfest des Brelingschen Hauses in der Bredenau kennen. Am 24. Januar 1909 verloben sich Louise Breling und Otto Modersohn in Berlin. Am 14. April 1909 findet die Hochzeit im Haus Breling in Fischerhude statt. Es ist Otto Modersohns dritte Ehe. Zuvor war er mit Helene Schröder, sie verstarb 1900 an Tuberkulose und der Malerin Paula Modersohn-Becker, (sie starb 1907 an einer Embolie nach der Geburt ihrer Tochter) verheiratet.

Louise gibt ihren Beruf als Sängerin auf. Ab 1910 kommt der Bildhauer Bernhard Hoetger (1874-1949) nach Fischerhude. Louise Modersohn-Breling steht ihm Modell für den lebensgroßen Torso Schauende. Im Mai 1912 unternehmen Louise und Otto Modersohn eine mehrwöchige Studienreise nach Italien, mit den Stationen Venedig, Florenz, Pisa und Genua. Geburt des Sohnes Ulrich am 16. Oktober 1913.

Am 6. September 1914 stirbt ihr Vater Heinrich Breling. Umzug nach Worpswede im Oktober 1915. Erste ausgedehnte Studienreise nach Franken im Sommer 1916. Geburt des Sohnes Christian am 13. Oktober 1916 (+24.12.2009). Im Frühjahr 1917 Rückkehr nach Fischerhude. Louise Modersohn widmet sich zunehmend der Malerei. Es entstehen zahlreiche Porträts der Familie und engeren Freunde. Gedanken zum Deutschen Expressionismus, anlässlich einer Schmidt-Rottluff-Ausstellung in der Kunsthalle Bremen 1920.

Der posthume Erfolg Paula Modersohn-Beckers, die zunehmende Nachfrage des Kunstmarkts und das Erscheinen ihrer Briefe und Tagebuchblätter und die damit eihergehenden Irritationen belasten zunehmend auch Louise Modersohn-Breling. Louise Modersohn-Breling war Mitglied in der Allgemeinen Deutschen Kunstgenossenschaft, der Hannoverschen Secession und des Nordwestdeutschen und Bremer Künstlerbundes. Sie beteiligte sich an den Ausstellungen dieser Verbände. Ein Besuch des Hamburger Malerehepaares Friedrich Ahlers-Hestermann und Alexandra Povorina in Fischerhude, führt 1922 zu einer gemeinsamen Studienreise wieder nach Wertheim. Im engen Austausch mit den Kollegen vor zuweilen denselben Motiven, genoss man die gegenseitigen Anregungen.

Die nach Wertheim mitgereisten Maler(innen) kannten sich aus Paris, verkehrten im Café du Dôme, waren Mitglieder der Academie Matisse und tauschten sich an den Abenden, die nach ertragreichen Tagen der gegenseitigen Korrektur gewidmet waren, vor allem über französische Künstler und Malerei aus. Louise Modersohn-Breling malte einige Gassenbilder in Kreuzwertheim und in der näheren Umgebung Wertheims. 1923 folgen Studienreisen nach Iphofen und Sulzfeld; 1924 nach Würzburg und wiederum Wertheim, wo sie in den wohl produktivsten Wochen ihres Lebens zahlreiche Ansichten der Stadt, insbesondere Bilder der Wertheimer Gassen malt, die den Bildern ihres Mannes in nichts nachstehen.

1925 reisen Louise Modersohn-Breling und Otto Modersohn anlässlich seines 60. Geburtstages nach Emden zum Kunsthändler Max de Beer und anschließend nach Holland wo sie die Sammlungen der Museen in Den Haag, Harlem und Amsterdam besuchen. Im Juli desselben Jahres sind sie wieder in Würzburg auf dem Gut Neue Welt bei Gertraud Rostosky, die dort Maler und Schriftsteller in den Sommermonaten um sich versammelt. Anschließend erfolgt eine erste Reise ins Allgäu nach Fischen und Oberjoch.

1926 reisen Louise und Otto Modersohn erneut nach Würzburg. Wiederum schließt sich eine Studienreise ins Allgäu nach Unterjoch, Kempten und München an. Auch in den Jahren 1927, 1928 und 1929 werden gemeinsame Studienreisen ins Allgäu unternommen. Louise Modersohn malt die Porträts ihrer Wirtsleute und eindrucksvolle Bildnisse der Bergbevölkerung. 1930 erwerben die Modersohns ein altes Bauernhaus auf dem Gailenberg, oberhalb von Hindelang als zweiten Wohnsitz der Familie.

Das Haus wird ganzjährig von Louise Modersohn-Breling bewirtschaftet. Im Allgäu entstehen großartige Bilder der Bergwelt. Louise Modersohn-Breling widmet sich neben der Malerei zunehmend der Astrologie und religösen Fragen. Auch Sagen und Märchen des Allgäus werden von ihr gesammelt. Sie vervollkommnet auch ihr Wissen über Pflanzen und Heilkräuter des Allgäus. Das Jahr 1943 bringt für Louise Modersohn-Breling schwere Schicksalsschläge: Otto Modersohn stirbt nach kurzer Krankheit am 10. März. Am 14. Juli fällt ihr Sohn Ulrich in Rußland. Nur wenig später wird ihre 22jährige Nichte Cato Bontjes van Beek, wegen „Beihilfe zur Vorbereitung des Hochverrats“ im Widerstand gegen das Dritte Reich hingerichtet.

Ihr direkt an Adolf Hitler gerichtetes Gnadengesuch war erfolglos. 1947 lässt sich ihr Sohn Christian auf dem Gailenberg nieder und heiratet Anna Lipp (1921-1997). 1948 erfolgt der Ausbau des Gailenberger Hauses für eine ständige Modersohn-Nachlaß-Ausstellung. Der Enkelsohn Heinrich wird geboren.
Am 17. September 1950 stirbt Louise Modersohn-Breling infolge eines Hirnschlags.

Vita

  • 1883 Louise Breling wird am 3. März als zweite von sechs Töchtern des Malers und Professors der königlichen Akademie der bildenden Künste, Heinrich Breling (1849-1914) und seiner Frau Amalie, geb. Mayer (1856-1933) in München geboren.
  • 1892 Rückkehr der Familie in die norddeutsche Heimat nach Hannover. Louise erhält neben der Schule eine Musikausbildung. Den Sommer verbringt man in Fischerhude, wo der Vater aufgewachsen war.
  • 1896 Erste Bekanntschaft der Familie Breling mit Otto Modersohn. Louise erhält Gesangsunterricht.
  • 1904 Louise wird Opern- und Oratoriumsängerin in Hagen, Hannover und Berlin.
  • 1908 Otto Modersohn zieht nach Fischerhude und lernt Louise Breling beim Richtfest des Brelingschen Hauses in der Bredenau kennen.
  • 1909 Am 24. Januar Verlobung in Berlin. Am 14. April Hochzeit im Haus Breling. Louise gibt ihren Beruf als Sängerin auf.
  • 1910 Hoetger kommt durch Otto Modersohn nach Fischerhude, wo Louise Modersohn für den lebensgroßen Torso „Schauende“ Modell steht.
  • 1913 Geburt des Sohnes Ulrich.
  • 1914 Am 6. September stirbt der Vater Heinrich Breling.
  • 1915 Im Oktober Umzug nach Worpswede.
  • 1916 Erste ausgedehnte Sommerreise nach Franken. Geburt des Sohnes Christian.
  • 1917 Rückkehr nach Fischerhude.
  • 1922 Ein Besuch des Malerehepaares Friedrich Ahlers-Hestermann und Alexandra Povorina in Fischerhude, führt zu einer gemeinsamen Studienreise nach Wertheim.
  • 1923 Studienreise nach Iphofen und Sulzfeld.
  • 1924 Studienreise nach Würzburg und Wertheim.
  • 1925 Studienreise nach Holland. Im Juli in Würzburg auf dem Gut „Neue Welt“ bei Gertraud Rostosky. Erste Reise ins Allgäu.
  • 1926 Erneute Reise nach Würzburg. Studienreise ins Allgäu nach Unterjoch - Kempten - München. In den Jahren 1927, 1928 und 1929 werden gemeinsame Studienreisen ins Allgäu unternommen.
  • 1930 Modersohns erwerben ein altes Bauernhaus auf dem Gailenberg oberhalb von Hindelang als zweiten Wohnsitz der Familie. Das Haus wird ganzjährig von Louise Modersohn-Breling bewirtschaftet.
  • 1943 bringt für Louise Modersohn-Breling schwere Schicksalsschläge: Otto Modersohn stirbt nach kurzer Krankheit am 10. März. Am 14. Juli fällt ihr Sohn Ulrich in Rußland. Nur wenig später wird ihre 22jährige Nichte Cato Bontjes van Beek, wegen „Beihilfe zur Vorbereitung des Hochverrats“ im Widerstand gegen das Dritte Reich hingerichtet.
  • 1947 Ihr Sohn Christian läßt sich auf dem Gailenberg nieder und heiratet Anna Lipp (1921-1997).
  • 1948 Ausbau des Gailenberger Hauses für eine ständige Modersohn-Nachlaß-Ausstellung. Der Enkelsohn Heinrich wird geboren.
  • 1950 Louise Modersohn-Breling stirbt am 17. September.

Literatur

  • WOLFGANG SCHULLER: Louise Modersohn-Breling (1883-1950) - Die gemeinsamen Studienreisen nach Wertheim mit Otto Modersohn 1922/1924, Wertheim, 1989
  • DR. JÖRG PACZKOWSKI: malen mit Lust und aus eigener Kraft - Gedanken zum Werk von
    Louise Modersohn-Breling, Grafschaftsmuseum Wertheim, 1989
  • ALICE GUDERA, DONATA HOLZ, BÄRBEL NACHTWEY, BÄRBEL SCHÖNBOHM: und sie malten doch! Geschichte der Malerinnen Worpswede, Fischerhude, Bremen
  • ALICE GUDERA: Louise Modersohn-Breling (1883-1950), Verlag Lilienthaler Kunststiftung, 2007 Seite 113, ISBN: 978-3-00-021669-5
  • ULRIKE HALBE-BAUER & BRIGITTA NEUMEISTER-TARONI: Ich mache es auf meine Art - Bedeutende Künstlerinnen: Louise Modersohn-Breling (1883-1950) – Die Nachfolgerin,
    Seite 107, Belser, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-7630-2587-9

Kataloge

  • Louise Modersohn-Breling, Grafschaftsmuseum Wertheim, 1989
  • Otto Modersohn Louise Modersohn-Breling Die Reisen nach Franken 1916-1927, Fischerhude-Wertheim 2001, Otto-Modersohn-Museum und Grafschaftsmuseum Wertheim,ISBN 3-929250-03-2
  • Tradition und Aufbruch Würzburg und die Kunst der 1920er Jahre, Museum Kulturspeicher Würzburg, Verlag Königshausen & Neumann, Würzburg 2003, ISBN 3-8260-2763-9 oder ISBN 3-928155-47-4 (Museum)
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